Was bringt das Mulchen?

Zusammenfassende Ergebnisse eines 5-jährigen Mulchversuches

Schon als Kind hat mich fasziniert, wenn ich bei einer Baumscheibe unter den Wiesenmulch geschaut habe, wieviel Lebewesen da zum Vorschein kamen und dann meist schnell verschwanden. Beim Ernten von Feldsalat in den Morgen- oder Abendstunden mit der Stirnlampe, kann man sie beobachten, wie die Regenwürmer die Bodenoberfläche abgrasen und kleine Fraßmulden hinterlassen, weil sie mit den aufgenommenen Pflanzenresten oder Bakterien- und Algenrasen auch immer etwas mineralisch-toniges Material aufnehmen; wie sie mit dem Hinterende immer in der Röhre bleiben und sich darin festhalten, sich dann in der Erde umdrehen und ihre Wohnröhre mit ihrer fruchtbaren Losung verschließen. Was machen die da unten und warum gehen sie bis 7m in die Tiefe? Es gibt noch viele offene Fragen. Von 2008 bis 2013 sind wir mit einem Mulchversuch der Frage der Futtermenge nachgegangen.
Mit Mulchdüngung kann das Leben im Boden und besonders das der Regenwürmer wesentlich unterstützt werden? Die Tätigkeit des Tauwurmes Lumbricus terr. besteht in der Anlage und Pflege seiner Wohnröhre. Seine Nahrung holt er von ganz oben (organische Nahrung) und von ganz unten (Ton) und mischt diese mit selbst erzeugtem Schleim in seinem Muskelmagen zusammen. Daraus entsteht die Losung, mit der er seine gesamte Wohnröhre tapeziert. Durch diese Tätigkeit düngt, dräniert und belüftet er den Boden bis unter die Wurzelspitzen. Die Losung in der Tapete enthält Nährhumus, den die Pflanzen sehr gerne haben. Sie wachsen bevorzugt in diese Röhren. In den größeren Röhren, die von den älteren und dickeren Würmern gebildet werden, kuscheln sich die Wurzeln teilweise spiralförmig an der Wand entlang nach unten , um möglichst viel Kontakt mit der Wand zu haben. Diese Beobachtung konnten wir mit endoskopischen Aufnahmen in den Röhren machen. Dabei treiben die Pflanzen ihre Haarwurzeln in die Röhrenwand, schmecken sich regelrecht in den Boden hinein, bedienen sich an den leckeren Regenwurmtapeten, die bis ca. 5mm stark sein können, wachsen durch diese hindurch und reichern damit ihrerseits den Boden um die Röhren zusätzlich mit organischer Substanz an.
1kg TM/m² Heu oder Silage aus Kleegras, Wickroggen oder anderer Gründüngung, die am besten nach der Blüte geschnitten wurde, damit die Bienen Futter bekommen, führte bei unserem Versuch mit 25m² großen Beeten in einer Lößparabraunerde zu einer raschen Vermehrung der Würmer. In 4 Jahren Mulchdüngung vermehrten sich die Würmer auf Gemüseland um das Fünffache (von 100/m² auf 500/m²). Stroh nehmen die Tauwürmer zwar auch gerne auf aber es dauert länger bis dieses verdaut wird (Lüsebrink unveröffentlicht). Ein engeres C : N-Verhältnis als Stroh, wie z.B. bei Heu und Silage, wirkt sich offenbar günstig auf die Anzahl und Biomassebildung der Würmer aus. Rasenschnitt hat ein zu enges C:N-Verhältnis und führt – wie auch bei den Kühen – zu Verdauungsstörungen.
Die Zunahme der Wurmzahlen bezog sich überwiegend auf den Tauwurm der ca. ¾ der Regenwurmpopulation ausmachte. Zu Beginn des Versuches war der Anteil des Tauwurmes bei 24%.
In 1,5m Tiefe wurden nach dieser relativ kurzen Zeit mit Mulchauflage doppelt so viele Bioporen gefunden als ohne.

Ist die Spatenmaschine schonender als die Fräse in Bezug auf das Regenwurmleben?
Diese für den Gartenbau wichtige Frage wollten wir in diesem Zusammenhang auch beantwortet haben. Die Antwort ist einfach: nein, die Spatenmaschine hat weder in Bezug auf die Zahl der Würmer noch auf das Porenvolumen eine positivere Wirkung gehabt.
Wirkungen auf den Bewuchs:
Bei Knollensellerie ergab sich im 1. Versuchsjahr mit Grünschnittkompost (noch keine Mulchdüngung) ein tendenzieller Knollen-Mehrertrag von ca. 14% gegenüber der ungedüngten Variante.
Bei Mangold ergab sich durch Mulchdüngung mit 1kg/m² Kleegrasheu im 2.Anbaujahr ein Mehrertrag von ca. 18% (stat. gesichert), bei einem Ertragsniveau von 5 t/ha Wurzel und Spross; mit dem Vorteil, dass nicht gehackt und gewässert werden brauchte. Nur bei der Pflanzung sind wir mit einem Beetgießgerät zum sicheren Anwachsen über die Kulturen gefahren.
Im 3.Jahr wurden Radieschen gesät. Deren Entwicklung ist so kurzlebig, dass keine Unterschiede festzustellen waren. Auf die Erträge kam es aber auch nicht an, sondern auf die Beeinflussung der Bodenstruktur durch die Tätigkeit der Bodentiere  unter dem Mulchmaterial.
Im 4. Und 5. Jahr wurde nur die Bodenbearbeitung durchgeführt und dann das Gewicht der Kulturbegleitpflanzen (Spontanvegetation) gemessen, um die Wirkung der Bedeckung bezüglich der Beikräuter zu erfahren. 2011 reichte die Bedeckung von 1kg/m² Heu nicht aus, um die Beikräuter zu unterdrücken. Daher gab es nur in Bezug auf die Bearbeitung Unterschiede. Bei Fräsbearbeitung wuchs weniger Beikrautmasse als bei Spatenmaschine. Im Jahre 2012 betrug die Beikrautmasse mit Mulchbedeckung 150g/m² gegenüber 750g/m² ohne Bedeckung. Bei konsequenter Bedeckung durch den Mulch könnte im wahrsten Sinne des Wortes fast kein Kraut mehr zwischen den Kulturpflanzen wachsen (wenn die Disteln und der Ampfer von der Fläche grundsätzlich verschwunden sind, denn diese sind in der Lage, die Mulchschicht anzuheben und zu durchwachsen).
Die Technik für das Mulch-Düngungssystem kann unter www.mulch-gemuesebau.de studiert werden (Bilder und Videos von Johannes Storch).

Erfahrungen und Beobachtungen
Im übrigen Betrieb (3ha) wurde eine 8-gliedrige Fruchtfolge mit Gemüse ausserhalb des Versuches mit 2-jährigem Kleegras durchgeführt, teilweise ebenfalls dicht gemulcht (soweit das Mulchmaterial reichte; teilweise haben wir auch Wickroggen verwendet). Bei den weiten Pflanzabständen von Kürbis, Kohl und Zucchini wirkt eine dicke Mulchschicht besonders günstig auf die Bodenstruktur. Bei so rel. kleinen Flächen wie in der Mühlengärtnerei hielt sich der Handarbeitsaufwand für die Mulchbedeckung in Grenzen – zumal das Hacken dann entfällt. Bei großflächigeren Kulturen kommt man um das Mulch-Schneidemesser – Murocut mit kombinierter Pflanz- oder Sämaschine und Transfer-Mulch von anderen Flächen oder Betrieben nicht herum. Mit Einlegegeräten aus dem Erdbeeranbau oder Breitstreuern im Kartoffelbau lassen sich auch größere Flächen bewerkstelligen.
Ein wichtiger Nebeneffekt ist der nachhaltige und tiefgründige Bodenaufbau, der den Folgekulturen und der Dauerfruchtbarkeit, also dem „langfristigen Ertragsvermögen“ zugute kommt.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.
In Grünlandböden leben wesentlich mehr Regenwürmer als in Ackerböden weil dort mehr Nahrungsabfall vorhanden ist und vor allem, die Wohnröhren werden nicht dauernd zerstört. Ein Tauwurm könnte 8 – 10 Jahre alt werden, wenn nicht ständig seine Wohnung durch Bodenbearbeitung zerstört und er verletzt würde oder Fraßfeinde (Vögel, Maulwurf, Spitzmaus, Dachs und Fuchs) ihn dezimieren würden. Allein mit der Wahl der Tiefe der Bearbeitung und des Bearbeitungszeitpunktes könnte man das Leben der Würmer schonen, indem man zu den wärmeren und trockeneren Tageszeiten bearbeitet, wenn die Würmer sich in tieferen Schichten aufhalten (LÜSEBRINK).
Wie ein spannender Liebesroman liest sich die Beschreibung der Partnerwahl der Regenwürmer in der tierpsychologischen Fachliteratur. Überschrift: „Vermeidung gefährlicher Liebesbeziehungen“ (Michiels 2001 ).
Lumbi ist da sehr wählerisch!
Wenn Lumbi den falschen zwittrigen Partner aussucht, kann das für ihn lebensgefährlich sein, weil er bei der Kopulation seine Wohnröhre verlieren könnte.
Er hat ja keine Augen, um seine Wohnung wiederzufinden. Überhaupt ist das Leben ohne Augen sehr speziell.
Wie lernt man sich in der sozialen Welt der Regenwürmer kennen? Wie sieht das Schönheitsideal eines zweigeschlechtlichen Regenwurmpartners aus? Ohne Augen ist das immerhin eine berechtigte Frage.
Nein, sie fallen nicht einfach übereinander her!
Das erste Kennenlernen findet meistens – wie oft auch bei den Menschen – beim Essen statt.
Beim Beweiden der Bodenoberfläche – kreisförmig um die Wohnröhre herum und immer mit dem Hinterteil in der Röhre sich festhaltend– begegnet man seinen Nachbarn.
Ohne Augen ist man auf den Tastsinn angewiesen. Daher wird der/die PartnerIn befühlt, indem man mit Körperkontakt aneinander entlang gleitet und so seine/ihre Länge erfährt. Dann lädt man sich gegenseitig in seine Wohnröhre ein und befühlt deren Maße. Besonders der Durchmesser der Wohnröhre sagt etwas über die Dicke und Schwere der/des PartnerIn aus. Schon das Verlassen der eigenen Wohnröhre ist ein schwieriges Orientierungsabenteuer.
Wenn man den Eindruck eines etwa gleich großen und gleich schweren Partners gewonnen hat, kann eine Kopulation stattfinden. Damit sie bei der Kopulation nicht aus der Röhre gezogen werden, dürfen die Partner nicht größer oder schwerer sein als sie selbst und deshalb bleiben beide Partner mit dem Hinterende in ihrer Röhre und halten sich dort mit ihren Borsten fest, während die Körperflüssigkeiten ausgetauscht werden.
Es ist lebensgefährlich, am hellen Tage seine Röhre nicht zu finden, weil es genügend Vögel gibt, die einen hilflos zappelnd suchenden Regenwurm entdecken könnten. Deswegen findet man sie überwiegend bei Dunkelheit und bei Regen an der Bodenoberfläche.

Die 7 Vorteile einer geschlossenen Mulchdecke:
– Es kommt – auch bei Gewitterregen – zu keiner Verschlämmung
– Daher muss man auch nicht lockern oder lüften
– Die Beikräuter werden unterdrückt
– Man muss nicht oder viel weniger gießen
– Bei Starkzehrern kann beim Pflanzen (unter Fuß) gedüngt werden
– Das Bodenleben nimmt stark zu
– Langfristig nehmen Durchwurzelbarkeit und Bodenfruchtbarkeit zu
Voraussetzung dafür ist jedoch das Vorkommen tiefgrabender Regenwurmarten (z.B. der Tauwurm).
Es soll nicht verschwiegen werden, dass Mäuse das Mulchsystem natürlich auch herrlich finden. Das Ansiedeln von Gegenspielern ist ratsam (Mauswiesel, Katzen). In manchen Jahren können Schnecken schaden, aber da spielt sich ein Gleichgewicht ein (Storch 2010).

Download der gesamten Arbeit mit Bildern (20MB): https://www.leitners.cloud/s/AQ1DUF7gjtGTEjU

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